Online-Enthemmungseffekt
Online Disinhibition Effect
Ein Phänomen, bei dem Menschen online mutiger oder aggressiver handeln als offline. Anonymität und die fehlende persönliche Begegnung schwächen die Selbstzensur.
Details
Was ist der Online-Enthemmungseffekt?
Der Online-Enthemmungseffekt ist ein Konzept, das der Psychologe John Suler im Jahr 2004 systematisiert hat. Es beschreibt das Phänomen, dass Menschen in der Online-Umgebung weniger Verhaltenshemmungen zeigen als im Alltag.
Zwei Richtungen der Enthemmung
Toxische Enthemmung: Zeigt sich in negativen Verhaltensweisen wie aggressiver Sprache, Hassreden, Cybermobbing und Drohungen.
Gutartige Enthemmung: Zeigt sich in positiver Richtung, z. B. durch offenes Ausdrücken von Gefühlen, die man normalerweise schwer ansprechen kann, durch das Suchen von Hilfe oder durch tiefe Selbstoffenbarung.
6 Faktoren (Sulers Modell)
1. Anonymität: Die wahre Identität bleibt verborgen, wodurch das Verantwortungsgefühl abnimmt.
2. Unsichtbarkeit: Man kann die Mimik oder Reaktionen des Gegenübers nicht sehen.
3. Asynchronität: Es gibt eine Zeitverzögerung statt sofortiger Reaktion, was impulsive Äußerungen erleichtert.
4. Introjektion: Das Gegenüber wird durch ein inneres Bild im eigenen Kopf ersetzt.
5. Dissoziative Vorstellung: Das Internet wird als ein vom realen Leben getrennter Raum wahrgenommen.
6. Minimierung von Autorität: Der Einfluss von sozialem Status oder Autorität wird abgeschwächt.
Bedeutung
Das Verständnis dieses Phänomens kann helfen, Konflikte in der Online-Kommunikation zu reduzieren und digitale Bürgerkompetenz zu fördern. Gleichzeitig lässt sich der positive Aspekt der offenen Selbstoffenbarung in der Online-Beratung nutzen. Wenn du weitere Fragen hast, ist Mindy gerne für dich da.
💡 Alltagsbeispiel
Eine normalerweise sanftmütige Person, die in Internetkommentaren bösartige Kommentare hinterlässt, ist ein typisches Beispiel für den Online-Enthemmungseffekt.
Dieser Inhalt dient Bildungszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Diagnose.