Einleitung
Jeder macht sich Sorgen. Am Abend vor einer Prüfung angespannt zu sein oder vor einem wichtigen Vorstellungsgespräch zu zittern, ist eine ganz natürliche Reaktion. Wenn die Angst jedoch den Alltag beherrscht und Sie selbst ohne besonderen Grund von Unruhe geplagt werden, ist es möglicherweise mehr als eine gewöhnliche Sorge. Weltweit leben etwa 280 Millionen Menschen mit einer Angststörung – sie gehört damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Wer den Unterschied zwischen einer Angststörung und alltäglicher Sorge genau versteht, kann sich die passende Unterstützung holen.
Das Wichtigste
Der entscheidende Unterschied zwischen normaler Sorge und einer Angststörung
Normale Sorgen haben einen konkreten Anlass und verschwinden, sobald das Problem gelöst ist. Bei einer Angststörung hingegen hält übermäßige Angst sechs Monate oder länger an, auch ohne erkennbaren Grund. Die Sorge ist im Verhältnis zur Situation viel zu stark, fühlt sich unkontrollierbar an und geht mit körperlichen Symptomen einher (Herzklopfen, Muskelverspannungen, Atemnot). Normale Sorgen helfen uns, uns an das Leben anzupassen, eine Angststörung dagegen beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich.
Die verschiedenen Formen von Angststörungen
Die generalisierte Angststörung (GAS) ist ein Zustand anhaltender, übermäßiger Sorgen in vielen Lebensbereichen. Bei der Panikstörung treten wiederholt plötzliche, extreme Angstattacken auf; die soziale Angststörung ist eine starke Furcht davor, vor anderen zu handeln oder von ihnen bewertet zu werden. Auch spezifische Phobien, die Trennungsangststörung und die Agoraphobie zählen zu den Angststörungen. Mit dem GAD-7-Fragebogen ist eine erste Selbsteinschätzung möglich.
Wirksame Bewältigung und Behandlung
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die wirksamste Psychotherapie bei Angststörungen. Dabei werden verzerrte Gedanken, die Angst auslösen, korrigiert, und man übt, sich gefürchteten Situationen schrittweise auszusetzen. Medikamentös werden vor allem SSRI eingesetzt.
Was die Forschung sagt
Metaanalysen zufolge ist die KVT bei der Behandlung von Angststörungen ebenso wirksam wie Medikamente oder sogar wirksamer – mit dem Vorteil, dass die Wirkung auch nach Therapieende anhält (Lancet Psychiatry, 2019). Regelmäßige Bewegung kann leichte Angst nachweislich um 25–40 % verringern. Auch Programme zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (MBSR) lindern Angstsymptome wirksam.
So setzen Sie es um
- Überprüfen Sie Ihr aktuelles Angstniveau mit dem GAD-7-Fragebogen.
- Wenn die Sorgen beginnen, fragen Sie sich: „Ist diese Sorge realistisch?“
- Regelmäßige Bewegung (dreimal pro Woche, jeweils mindestens 30 Minuten) hilft wirksam gegen Angst.
- Versuchen Sie, weniger Koffein und Alkohol zu konsumieren.
- Üben Sie täglich Bauchatmung oder progressive Muskelentspannung.
Im Alltag anwenden
Legen Sie für aufkommende Sorgen eine feste „Sorgenzeit“ fest. Widmen Sie sich Ihren Sorgen jeden Abend nur 15 Minuten lang; den Rest des Tages schreiben Sie sie lediglich auf und kümmern sich dann in dieser Zeit darum. Allein diese Technik kann die Zeit, die Sie mit Grübeln verbringen, deutlich verringern.
Hinweise
- Wer versucht, Angstsymptome mit Alkohol oder Drogen zu bekämpfen, kann in einen Teufelskreis geraten.
- Wenn die körperlichen Symptome stark sind, sollten auch organische Ursachen ärztlich abgeklärt werden.
- Wenn es Ihnen allein zu schwer wird, zögern Sie nicht, sich professionelle Hilfe zu holen.
Ein Wort von Seele
Angst ist eigentlich das Alarmsystem Ihres Gehirns, das Sie vor Gefahren schützen will. Hilfe braucht es erst, wenn dieser Alarm zu oft und zu laut losgeht. Lassen Sie uns gemeinsam die Lautstärke herunterdrehen.