Einleitung
„Bist du nicht einfach nur ein bisschen schlecht drauf?" – das ist das häufigste Missverständnis über Depressionen. Eine Depression ist keine bloße Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit, sondern eine ernsthafte gesundheitliche Erkrankung, die mit biologischen Veränderungen im Gehirn einhergeht. Weltweit leben rund 280 Millionen Menschen mit einer Depression, allein in Südkorea haben über eine Million Menschen diese Diagnose erhalten. Schauen wir uns Ursachen, Symptome und Diagnosekriterien wissenschaftlich an und räumen mit verbreiteten Irrtümern auf.
Das Wichtigste
Symptome einer Depression (Diagnosekriterien nach DSM-5)
Eine Depression kann diagnostiziert werden, wenn mindestens fünf der folgenden Symptome zwei Wochen oder länger anhalten: anhaltend gedrückte Stimmung, Verlust von Interesse oder Freude, Veränderungen von Appetit oder Gewicht, Schlafstörungen, psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung, Erschöpfung, Gefühle von Wertlosigkeit oder Schuld, Konzentrationsschwierigkeiten sowie wiederkehrende Gedanken an den Tod.
Die vielfältigen Ursachen einer Depression
Genetische Faktoren (eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko um das Zwei- bis Dreifache), neurobiologische Faktoren (Ungleichgewicht der Neurotransmitter, Veränderungen der Hirnstruktur, eine überaktive HPA-Achse), psychologische Faktoren (negative Denkmuster, erlernte Hilflosigkeit) und Umweltfaktoren (Trauma, Verlust, chronischer Stress) wirken zusammen.
Verbreitete Irrtümer richtigstellen
„Das liegt an mangelnder Willenskraft" → Es ist eine Erkrankung, die mit biologischen Veränderungen im Gehirn einhergeht. „Du bist halt ein bisschen traurig" → Es ist eine ernsthafte Beeinträchtigung, die zwei Wochen oder länger anhält. „Von Tabletten wird man abhängig" → Eine angemessene medikamentöse Behandlung hilft, die Hirnfunktion wiederherzustellen. „Reden allein reicht" → Ab einer mittelschweren Depression ist die Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie am wirksamsten.
Wissenschaftliche Grundlagen
Mehr als 80 % der Betroffenen erfahren bei angemessener Behandlung eine Besserung. Metaanalysen zeigen, dass die Kombination aus KVT und Antidepressiva wirksamer ist als jede Behandlung allein. Es gibt außerdem Studien, nach denen regelmäßige Bewegung bei leichter Depression ähnlich wirksam ist wie SSRI (BMJ, 2014).
So setzen Sie es um
- Prüfen Sie Ihren aktuellen Zustand mit dem PHQ-9-Selbsttest.
- Liegt Ihr Wert bei 5 oder höher, ziehen Sie ein Gespräch mit einer Fachperson in Betracht.
- Lassen Sie sich von einer Fachperson genau diagnostizieren.
- Entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Fachperson über die Behandlung (Medikamente, Psychotherapie oder beides).
- Bemühen Sie sich, die Grundlagen des Alltags (Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte) aufrechtzuerhalten.
Im Alltag anwenden
Wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen, beginnen Sie die Verhaltensaktivierung mit „Nur eine Sache" (das Bett machen, Zähne putzen usw.). Nehmen Sie sich jeden Tag einen 10-minütigen Spaziergang vor. Auch das Aufschreiben Ihrer Gefühle kann helfen.
Wichtige Hinweise
- Setzen Sie Antidepressiva niemals eigenmächtig ab. Sprechen Sie immer zuerst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Wenn Sie Suizidgedanken haben, holen Sie sich sofort Hilfe über die örtliche Notrufnummer oder ein Krisentelefon in Ihrer Nähe.
- Wenn jemand in Ihrem Umfeld depressiv ist, sagen Sie statt „Kopf hoch!" lieber „Ich bin für dich da".
Ein Wort von Seele
Depressionen treffen nicht nur schwache Menschen. Sie können jeden treffen, und mit Behandlung kann es besser werden. Haben Sie keine Angst, sich Hilfe zu holen. Seele begleitet Sie auf Ihrem Weg der Genesung.